Bürgeriniatitive für Bauen mit Vision am Neustädter Markt Dresden

Das Ende der autogerechten Stadt?

Jan 13, 11 Das Ende der autogerechten Stadt?

Die Steue­rung des inner­städ­ti­schen Auto­ver­kehrs ist von zen­tra­ler Bedeu­tung für die künf­tige Ent­wick­lung des Neu­städ­ter Mark­tes. Die der­zei­tige Zer­schnei­dung des Plat­zes durch die Bun­des­straße 170 behin­dert die Ent­wick­lung des Plat­zes und das Zusam­men­wach­sen von Alt– und Neu­stadt mas­siv und ist auf Dauer nicht akzeptabel.

Umso hoff­nungs­vol­ler stim­men uns die ers­ten Schritte auf dem Weg zu einem neuen Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan, über den die Säch­si­sche Zei­tung im Fol­gen­den berichtet:

Die Zei­ten einer auto­ge­rech­ten Stadt seien end­gül­tig vor­bei, sagt Gerd-Axel Ahrens. Der TU-Professor hat die Lei­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats für den Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan bis 2025 über­nom­men. „Es geht nicht mehr um Entweder-oder, son­dern um ein Sowohl-als-auch. Wir brau­chen Gesamt­kon­zepte, die die Inter­es­sen aller Ver­kehrs­teil­neh­mer berück­sich­ti­gen“, sagt er.

Um alle Belange unter einen Hut zu brin­gen, sit­zen seit einem Jahr die Ver­tre­ter von über 40 Insti­tu­tio­nen am run­den Tisch Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan. „Wir wol­len wis­sen, wo wir ste­hen und wie sich die Ver­kehrs­trä­ger ent­wi­ckeln“, sagt Stadt­ent­wick­lungs­bür­ger­meis­ter Jörn Marx (CDU). So haben die Teil­neh­mer des run­den Tisches die Lage ana­ly­siert und die Leit­ziele erar­bei­tet. Stimmt der Stadt­rat dem zu, soll dar­aus bis Ende des Jah­res ein Ver­kehrs­ent­wick­lungs­kon­zept ent­ste­hen. Darin wer­den Pro­jekte ent­wi­ckelt, wo Stra­ßen, Brü­cken, Tun­nel, Rad­wege, Stra­ßen­bahn­stre­cken und auch Stadt­grün ent­ste­hen sol­len. Ver­kehr muss dabei kli­ma­freund­li­cher werden.

Ziel 1: Der Ver­kehr muss umwelt­ver­träg­lich werden

Dres­den wachse wei­ter, des­halb sei auch künf­tig Stra­ßen­bau erfor­der­lich, schätzt Bür­ger­meis­ter Marx ein. Aber es sei zu klä­ren, wie groß Stra­ßen künf­tig gebaut wer­den. Der Wan­del der Fort­be­we­gung müsse berück­sich­tigt wer­den. 60 Pro­zent des Stra­ßen­ver­kehrs in der Stadt erfol­gen, um zu Frei­zeit­ver­gnü­gun­gen oder zum Ein­kau­fen zu gelan­gen. Die Dresd­ner haben ihr Ver­kehrs­ver­hal­ten in den letz­ten Jahr­zehn­ten ver­än­dert. Das zei­gen auch die Ergeb­nisse der Ver­kehrs­er­he­bung 2008, die in einer Mobi­li­täts­stu­die ver­öf­fent­licht wur­den. Danach ist die Zahl der Wege, die mit dem Auto zurück­ge­legt wur­den, gesun­ken. Dafür hat der Rad­ver­kehr zuge­nom­men. Die Nut­zung des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs blieb sta­bil. Fuß­wege wer­den sel­te­ner gemacht. Für umwelt­freund­li­che Fort­be­we­gung soll es bes­sere Infra­struk­tur geben.

Ziel 2: Der Ver­kehr muss bezahl­bar bleiben

In Dres­den haben bereits 40 Pro­zent der Haus­halte kein eige­nes Auto. Erst­mals ist auch bei der Wahl der Ver­kehrs­mit­tel die Auto­nut­zung rück­läu­fig. Pro­fes­sor Ahrens sieht die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung als Haupt­grund. Ältere Men­schen fah­ren so sel­te­ner und kür­zere Wege mit dem Auto. Auch wirt­schaft­li­che und zuneh­mend ideo­lo­gi­sche Gründe las­sen viele aufs Auto verzichten.

Junge Leute betrach­ten das Auto häu­fig als „totes Kapi­tal“. Ihnen ist die Mobi­li­tät, aber nicht der Besitz eines Fahr­zeugs wich­tig. Der Ver­kehrs­plan soll die spe­zi­fi­schen Bedürf­nisse sowohl jun­ger als auch älte­rer und Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men berück­sich­ti­gen. Eine sozi­al­ge­rechte Mobi­li­täts­teil­habe ist des­halb ein wich­ti­ges Ziel.

Ziel 3: Der Ver­kehr muss attrak­tiv und bequem sein

Da 60 Pro­zent der Wege in der Stadt kür­zer als fünf Kilo­me­ter sind, sei das Auto nicht zwin­gend erfor­der­lich. „Zuneh­mend über­le­gen die Dresd­ner täg­lich neu, wie sie zu ihrem Ziel kom­men“, sagt Jan Bleis von den Ver­kehrs­be­trie­ben. Bei schö­nem Wet­ter werde oft das Fahr­rad genutzt, bei schlech­tem Stra­ßen­bahn und Bus. In einem attrak­ti­ven Stadt­ver­kehr könne man neben Bus und Bahn auch bequem Leih­fahr­rä­der, Car-Sharing und Elek­tro­au­tos nut­zen – mög­lichst mit dem­sel­ben Ticket.

Ziel 4: Der Ver­kehrs­plan muss bür­ger­nah sein

Der Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan soll breit erar­bei­tet wer­den. Dazu wird es im Februar eine nächste große Tagung und danach eine neue Dresd­ner Debatte mit Info-Boxen und Inter­net­platt­form geben. Die Bür­ger sol­len mitdiskutieren.

Quelle: Säch­si­sche Zei­tung vom 7. Januar 2011

Hin­weis: Eine aus­führ­li­che Doku­men­ta­tion zum “Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan 2025plus” fin­det sich auch auf den Inter­net­sei­ten der Lan­des­haupt­stadt Dres­den.

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