Das Ende der autogerechten Stadt?
Die Steuerung des innerstädtischen Autoverkehrs ist von zentraler Bedeutung für die künftige Entwicklung des Neustädter Marktes. Die derzeitige Zerschneidung des Platzes durch die Bundesstraße 170 behindert die Entwicklung des Platzes und das Zusammenwachsen von Alt– und Neustadt massiv und ist auf Dauer nicht akzeptabel.
Umso hoffnungsvoller stimmen uns die ersten Schritte auf dem Weg zu einem neuen Verkehrsentwicklungsplan, über den die Sächsische Zeitung im Folgenden berichtet:
Die Zeiten einer autogerechten Stadt seien endgültig vorbei, sagt Gerd-Axel Ahrens. Der TU-Professor hat die Leitung eines wissenschaftlichen Beirats für den Verkehrsentwicklungsplan bis 2025 übernommen. „Es geht nicht mehr um Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch. Wir brauchen Gesamtkonzepte, die die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen“, sagt er.
Um alle Belange unter einen Hut zu bringen, sitzen seit einem Jahr die Vertreter von über 40 Institutionen am runden Tisch Verkehrsentwicklungsplan. „Wir wollen wissen, wo wir stehen und wie sich die Verkehrsträger entwickeln“, sagt Stadtentwicklungsbürgermeister Jörn Marx (CDU). So haben die Teilnehmer des runden Tisches die Lage analysiert und die Leitziele erarbeitet. Stimmt der Stadtrat dem zu, soll daraus bis Ende des Jahres ein Verkehrsentwicklungskonzept entstehen. Darin werden Projekte entwickelt, wo Straßen, Brücken, Tunnel, Radwege, Straßenbahnstrecken und auch Stadtgrün entstehen sollen. Verkehr muss dabei klimafreundlicher werden.
Ziel 1: Der Verkehr muss umweltverträglich werden
Dresden wachse weiter, deshalb sei auch künftig Straßenbau erforderlich, schätzt Bürgermeister Marx ein. Aber es sei zu klären, wie groß Straßen künftig gebaut werden. Der Wandel der Fortbewegung müsse berücksichtigt werden. 60 Prozent des Straßenverkehrs in der Stadt erfolgen, um zu Freizeitvergnügungen oder zum Einkaufen zu gelangen. Die Dresdner haben ihr Verkehrsverhalten in den letzten Jahrzehnten verändert. Das zeigen auch die Ergebnisse der Verkehrserhebung 2008, die in einer Mobilitätsstudie veröffentlicht wurden. Danach ist die Zahl der Wege, die mit dem Auto zurückgelegt wurden, gesunken. Dafür hat der Radverkehr zugenommen. Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs blieb stabil. Fußwege werden seltener gemacht. Für umweltfreundliche Fortbewegung soll es bessere Infrastruktur geben.
Ziel 2: Der Verkehr muss bezahlbar bleiben
In Dresden haben bereits 40 Prozent der Haushalte kein eigenes Auto. Erstmals ist auch bei der Wahl der Verkehrsmittel die Autonutzung rückläufig. Professor Ahrens sieht die demografische Entwicklung als Hauptgrund. Ältere Menschen fahren so seltener und kürzere Wege mit dem Auto. Auch wirtschaftliche und zunehmend ideologische Gründe lassen viele aufs Auto verzichten.
Junge Leute betrachten das Auto häufig als „totes Kapital“. Ihnen ist die Mobilität, aber nicht der Besitz eines Fahrzeugs wichtig. Der Verkehrsplan soll die spezifischen Bedürfnisse sowohl junger als auch älterer und Menschen mit geringem Einkommen berücksichtigen. Eine sozialgerechte Mobilitätsteilhabe ist deshalb ein wichtiges Ziel.
Ziel 3: Der Verkehr muss attraktiv und bequem sein
Da 60 Prozent der Wege in der Stadt kürzer als fünf Kilometer sind, sei das Auto nicht zwingend erforderlich. „Zunehmend überlegen die Dresdner täglich neu, wie sie zu ihrem Ziel kommen“, sagt Jan Bleis von den Verkehrsbetrieben. Bei schönem Wetter werde oft das Fahrrad genutzt, bei schlechtem Straßenbahn und Bus. In einem attraktiven Stadtverkehr könne man neben Bus und Bahn auch bequem Leihfahrräder, Car-Sharing und Elektroautos nutzen – möglichst mit demselben Ticket.
Ziel 4: Der Verkehrsplan muss bürgernah sein
Der Verkehrsentwicklungsplan soll breit erarbeitet werden. Dazu wird es im Februar eine nächste große Tagung und danach eine neue Dresdner Debatte mit Info-Boxen und Internetplattform geben. Die Bürger sollen mitdiskutieren.
Quelle: Sächsische Zeitung vom 7. Januar 2011
Hinweis: Eine ausführliche Dokumentation zum “Verkehrsentwicklungsplan 2025plus” findet sich auch auf den Internetseiten der Landeshauptstadt Dresden.











