Bürgeriniatitive für Bauen mit Vision am Neustädter Markt Dresden

Die Platte an der Hauptstraße ist weg

Feb 11, 11 Die Platte an der Hauptstraße ist weg

Vom eins­ti­gen Plat­ten­bau in der Haupt­straße 5 bis 7a zeugt nur noch ein gro­ßer Schutt­hau­fen. In den ver­gan­ge­nen drei Wochen wurde das lange Zeit leer ste­hende Wohn­haus, das sich in Höhe des Ober­gra­bens und der Hein­rich­straße befand, abgerissen.

An die­ser Stelle will Inves­tor Heinz Net­te­ko­ven von der Wei­ma­rer Firma Flo­rana zwei neue Wohn– und Geschäfts­häu­ser bauen. Ursprüng­lich soll­ten diese Ende 2011 fer­tig wer­den. „Aber durch die lange Frost­pe­riode im Win­ter haben wir etwas Zeit ver­lo­ren“, sagt Florana-Sprecher Peter Dyroff. Grund für die Ver­zö­ge­rung war eine Fern­wär­me­lei­tung, die von der Dre­wag ver­legt wer­den musste. Dafür brauchte es mil­dere Tem­pe­ra­tu­ren. Die Bau­leute haben zwei Monate ver­lo­ren. Jetzt wol­len sie Ende Februar 2012 fer­tig sein.

Roh­bau steht bis August

In den kom­men­den zwei bis drei Wochen wer­den noch die Kel­ler ein­ge­ris­sen, sagt Mat­thias Nagel von der Hentschke Bau GmbH, die sowohl das alte Haus abreißt, als auch die neuen Gebäude errich­tet. „Die ent­ste­hende Bau­grube wird dann durch Stahl­trä­ger vor abrut­schen­den Erd­mas­sen geschützt.“ Ende März sol­len die ers­ten Fun­da­men­tar­bei­ten begin­nen. Nagel rech­net damit, dass der Roh­bau bis August steht.

Auf dem 2000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stück ent­ste­hen zwei Häu­ser, die im Erd­ge­schoss Platz für neun Läden bie­ten sol­len. In den vier Ober­ge­schos­sen sind 39 Woh­nun­gen geplant. Im Kel­ler soll eine Tief­ga­rage mit 47 Auto­stell­plät­zen, vor allem für die Mie­ter, ent­ste­hen. „Es gibt durch­aus schon Inter­es­sen­ten für die Gebäude. Bis zur Überg­abe wer­den sicher­lich alle Flä­chen ver­mie­tet sein“, sagt Florana-Sprecher Dyroff. Ihm zufolge stehe bereits die Bäcke­rei Drei­ßig als Mie­ter fest. „Außer­dem wird die Spar­kas­sen­fi­liale vom Neu­städ­ter Markt in eines unse­rer Gebäude ein­zie­hen“, sagt Dyroff.

Pro­jekt war lange umstritten

Laut Inves­tor Heinz Net­te­ko­ven sind bereits sie­ben der neun Läden ver­mie­tet. „Ich habe über­haupt keine Beden­ken. Auch bei den Woh­nun­gen ist die Nach­frage groß.“ Der Geschäfts­mann inves­tiert rund zwölf Mil­lio­nen Euro in Abriss und Neu­bau. „Die Ver­zö­ge­run­gen haben lei­der etwa 200.000 bis 300.000 Euro Mehr­kos­ten ver­ur­sacht“, sagt der 83-Jährige.

Die Pläne des Geschäfts­füh­rers der Wei­ma­rer Flo­rana KG und des Archi­tek­ten Tho­mas Kne­rer an der Haupt­straße waren von Anfang an umstrit­ten. Star­ker Wider­stand for­mierte sich zunächst von­sei­ten der Gesell­schaft His­to­ri­scher Neu­markt Dres­den. Diese hatte sich anstelle eines moder­nen Neu­baus ein Gebäude gewünscht, das sich mit Schrägdä­chern und klei­nen Fens­tern an der his­to­ri­schen Bebau­ung ori­en­tiert – gemäß der Lage am östli­chen Rand des Barock­vier­tels. Aus­ge­rech­net der Barockviertel-Verein sprach sich aber für die Pläne von Net­te­ko­ven aus.

Zu Beginn des Abris­ses im ver­gan­ge­nen Herbst stellte sich dann Unmut bei den Geschäfts­leu­ten des Barock­vier­tels ein. Bis­her waren ihre Läden in der Hein­rich­straße über einen klei­nen Durch­gang im Haus erreich­bar. Die­ser war wochen­lang blo­ckiert. Nur wenige Kun­den nutz­ten den ande­ren Zugang über Ober­gra­ben und Rähnitzgasse.

Neuer Weg zur Heinrichstraße

Der Plan zweier Gebäude ermög­licht jetzt jedoch, dass eine breite Öffnung der Hein­rich­straße zur Haupt­straße hin ent­steht. „Zwi­schen­zeit­lich war es für die Läden etwas schwie­rig. Durch den brei­te­ren Zugang schaf­fen wir nun aber einen Vor­teil für das Barock­vier­tel“, sagt Mat­thias Nagel von Hentschke Bau. Er betont, dass die Arbei­ten stets in einem „ver­nünf­ti­gen Mit­ein­an­der“ mit den Anwoh­nern rea­li­siert wer­den sol­len. „Bei den Abriss­ar­bei­ten haben wir die Flä­che bewäs­sert, um die Staub­ent­wick­lung zu sen­ken“, so Nagel. Nach dem Abriss werde dann wie­der mehr Ruhe vor Ort einkehren.

Quelle: Säch­si­sche Zei­tung vom 8. Februar 2011

6 Kommentare

  1. Tilo Bergmann /

    Chance ver­tan!

    Bis­lang besteht in Dres­den anschei­nend wenig Inter­esse den Neu­städ­ter Markt his­to­risch, qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig und nach­hal­tig zu ent­wick­len. Es bleibt zu hof­fen, dass sich diese Mei­nung schnell ändert und es nicht erst vie­ler moder­ner Bau­sün­den bedarf bis sich wie­der ein­mal die Erkennt­nis ein­stellt, dass es das ja nun wirk­lich nicht sein kann.
    In Ver­bin­dung mit dem Neu­markt bestände wirk­lich die Mög­lich­keit eine Ahnung des­sen ent­ste­hen zu las­sen, wofür Dres­den in der Welt berühmt war.

  2. Andy /

    Es wird doch eigent­lich nur eine Rekon­struk­tion des Neu­städ­ter Rat­hau­ses als berühm­tes Ensem­ble mit dem Gol­de­nen Rei­ter gebraucht, die ande­ren Bau­ten sind nicht so wichtig.

    • R.Helbig /

      Also ich finde es müßen viele his­to­ri­sche Gebäude wie­der auf­ge­baut werden,sonst passt das nicht rich­tig gut zum Rathaus,dass ist so wie ein Baro­ckes Gebäude und alles andere Neubauten,passt nicht!
      Wenn Neu­bau­ten müss­ten sie sich an die his­to­ri­sche Bebau­ung anpassen,einfach einen har­mo­ni­schen Übergang bil­den.
      Es darf nicht einen radi­ka­len Schnitt geben,es sehe dann ein­fach nicht mehr schön aus,das ist meine Meinung!

      Gruß R.Helbig

    • Harald Stroedecke /

      Auch ich bin über­zeugt von der über­aus gro­ßen wich­tig­keit des Neu­städ­ter Rat­hau­ses, das wohl von den Bau­for­men her rela­tiv leicht wie­der­auf­zu­bauen wäre. Man sollte aber Acht dar­auf geben, dass auch bei die­sem Platz eine har­mo­ni­sche Gesamt­si­tua­tion ent­steht. Als Ein­gang zur Neu­stadt fehlt immer noch das “Nar­ren­häusl”, eben­fall recht ein­fach gestal­tet im dama­li­gen Zustand.

  3. dresdner blue eyes /

    ich finde um der strasse eine gewisse attrak­ti­vi­tät zu geben soll­ten his­to­ri­sche gebäude ihren platz fin­den… ich finde der neu­städ­ter markt sollte natür­lich auch eine gewisse chance haben…

    es pro­vi­tiert auch das königs­vier­tel davon da man eine ver­bin­dung und anbin­dung wiederherstellt…

    ich begrüsse jede för­de­rung zu die­ser idee…

  4. Bernd E. Ludwig /

    Anfang die­ser Woche haben wir uns die Bau­ar­bei­ten an der Hauptstrasse/Heinrichstrasse ange­se­hen. Das sicht­bare Resul­tat zeigt sich wie schon lange ver­mu­tet: eine unsen­si­ble — bru­tal, klot­zige Beton­ar­chi­tek­tur, die rein gar nichts vom Flair des alten (schö­nen) Dres­den auch nur annä­hernd ver­mu­ten lässt. Nur Scheuß­lich ! Vor­über­ge­hende Pas­san­ten mein­ten dazu lapi­dar: “.… da hät­ten sie auch die alten Plat­ten ste­hen las­sen kön­nen …” In der Tat, so ist es. Wir müs­sen fast macht­los zuse­hen, wie Inves­to­ren aus dem Tau­nus (!) unsere Stadt ver­hun­zen, mit “Archi­tek­tu­ren”, die anderswo der Abriss­birne ver­fal­len. Siehe Frankfurt/Main (Tech­ni­sches Rat­haus) — dort ist man in der Alt­stadt schon lange auf dem ein­zig rich­ti­gen Wege, der Alt­stadt wie­der Würde und ein Gesicht zu geben ! Hier in Dres­den wer­den wir noch eine Gene­ra­tion war­ten müs­sen, bis die Ver­ant­wort­li­chen der Stadt reif genug sind, einen Wie­der­auf­bau des schö­nen Neu­städ­ter Rat­hau­ses auch nur in Erwä­gung zu zie­hen. Bis dahin wer­den wohl Immobilien-Heuschrecken aus der Pro­vinz bestim­men kön­nen, was wo gebaut wird.

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